Das Logo der AKDB AKDB Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern
NEWSROOM
eREPORT 2/2026

Interview mit dem AKDB-Vorstand zur Zukunft der Verwaltungs-IT

„Kommunen brauchen verlässliche und sichere IT-Lösungen“

11.06.20266 Minuten
IT/Digitalisierung

Die kommunale IT steht in Deutschland vor gewaltigen Veränderungen. Die Tendenz zur Konsolidierung ist nur eine davon. Wir haben unseren Vorstand, Rudolf Schleyer und Gudrun Aschenbrenner, anlässlich des 55-jährigen Jubiläums der AKDB gefragt, wie die AKDB sich und Kommunen dafür fit macht.

Herr Schleyer, Frau Aschenbrenner, was sind die größten Herausforderungen, mit denen Kommunalverwaltungen derzeit konfrontiert sind? 

Schleyer: Die kommunalen Behörden stehen aktuell unter einem enormen Veränderungs- und Anpassungsdruck. Besonders spürbar ist der Fachkräftemangel: Qualifiziertes Personal für Verwaltung und IT zu gewinnen, wird zunehmend schwieriger. Gleichzeitig nehmen die Cybergefahren zu – Angriffe auf kommunale Netze sind längst kein Ausnahmefall mehr. Die IT-Landschaften werden komplexer, und viele Kommunen müssen gleichzeitig wichtige Investitionen nachholen, obwohl die finanziellen Spielräume oft stark eingeschränkt sind.

Aschenbrenner: Ein Beispiel ist auch die gesetzliche Verpflichtung zur kommunalen Wärmeplanung. Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen ihren Wärmeplan jetzt bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, alle übrigen Kommunen zum 30. Juni 2028. Das bedeutet erheblichen zusätzlichen Planungsund Koordinationsaufwand – oft bei gleichzeitig begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen. Kommunen benötigen also stabile, verlässliche und sichere IT-Lösungen, die sie in ihrer Arbeit entlasten und zukunftsfähig aufstellen.

Welche Marktentwicklungen sehen Sie derzeit im Public Sector? 

Schleyer: Wir beobachten derzeit eine zunehmende Tendenz zur Konsolidierung – sowohl bei den eingesetzten Technologien als auch bei den organisationsübergreifenden Strukturen. Viele Bundesländer und kommunale IT-Dienstleister suchen den Zusammenschluss, um Synergien zu nutzen, Ressourcen zu bündeln und den hohen Innovationsdruck gemeinsam zu bewältigen. Das ist ganz im Sinne der Modernisierungsagenda des Bundesdigitalministeriums, die zum Beispiel die Zentralisierung der Portale für die internetbasierte Fahrzeugzulassung (iKfz) vorsieht. Die AKDB treibt diese Entwicklungen aktiv voran. So werden wir im Bereich Verkehrswesen gemeinsam mit fünf weiteren kommunalen IT-Dienstleistern Softwarelösungen für das Kfz-Wesen harmonisieren, gemeinsam weiterentwickeln und so bundesweit einheitliche Standards schaffen. 

Aschenbrenner: Im Ausländerwesen arbeiten wir künftig mit der Komm.ONE zusammen. Das bedeutet, wir nutzen die Ressourcen von AKDB und Komm.ONE besser, um unseren Kunden optimalen Service zu bieten. Dies vor dem Hintergrund, dass die Kooperation mit einem öffentlich-rechtlichen Partner auch gewährleistet, dass eine Partnerschaft langfristig und souverän gestaltet wird. Gleiches gilt für den Zusammenschluss zwischen AKDB und Prosoz. Auch hier werden wir über unsere künftige Rolle als Gesellschafter im Interesse unserer Kunden weiterhin an der Produktgestaltung teilnehmen, nutzen jedoch die Ressourcen von Prosoz und AKDB effizienter, nachhaltiger und öffentlich-rechtlich souverän. 

Seit 1971 ist die AKDB Teil der kommunalen Familie. Wie bereitet die AKDB als öffentlicher IT-Dienstleister Kommunen für die kommenden Jahre auf die digitale Zukunft vor?

Schleyer: Unser Anspruch ist es, Kommunen ganzheitlich mit leistungsfähigen, perfekt vernetzten Lösungen zu versorgen – und zwar aus einer Hand. Viele digitale Vorhaben können unsere kommunalen Kunden aus eigener Kraft nur schwierig umsetzen, auch weil sie enorme Rechenkapazitäten erfordern. Deswegen betrachten wir die Cloud als Schlüsseltechnologie. Es ist klar, dass mit dem geplanten Deutschland-Stack die Zukunft der Verwaltung ohnehin in der Cloud liegt. Bei der Bereitstellung von Software und von Office-Applikationen setzen wir auf Software-as-a-Service und Managed Services aus unserem Rechenzentrum: Mit unserer neuen Lösung NextGO.360 bieten wir etwa ein zentralisiertes Cloud-Serviceportfolio, mit dem Mitarbeitende in Kommunen künftig Zugriff auf alle benötigten Anwendungen und Fachverfahren haben – unabhängig von Zeit, Raum oder Gerät. Auch Endpoint Security, Collaboration-Tools und Rechenleistungen werden flexibel buchbar sein. 

Welche technologischen Innovationen bieten Kommunen wirklichen Mehrwert und Entlastung? 

Aschenbrenner: Eine Technologie, die wir vorantreiben, ist die Integration von künstlicher Intelligenz in unseren Fachverfahren. Damit wollen wir digitale Verwaltungsprozesse so weit wie möglich assistiv automatisieren. Zum Beispiel beim Wohngeldantrag, bei Zuzugsmeldungen, bei der Reisekostenabrechnung oder der Wohnungsgeberbestätigung. Auch im Finanzwesen wird KI es unserem Fachverfahren ermöglichen, Daten aus einem PDF zu extrahieren, einer Kostenstelle zuzuordnen und Währungen zu erkennen. All das, um Kommunen spürbar zu entlasten. Wir pilotieren bereits einige dieser KI-Anwendungen in diversen bayerischen Kommunen. Auch Business Intelligence wird immer wichtiger, da die Datenmenge in der Verwaltung exponentiell zunimmt. Dank unserer BI-Tools im Finanzwesen und Einwohnerwesen können Entscheider aus der Fülle an Daten schneller Handlungsempfehlungen ableiten. 

Apropos KI: Die AKDB wurde von der bundesweiten Genossenschaft der öffentlichen IT-Dienstleister govdigital beauftragt, eine GenAI-Plattform federführend zu entwickeln. Worum geht es, und welche Vorteile haben Kommunen davon? 

Schleyer: Ziel ist es, eine souveräne und gemeinschaftlich betriebene Plattform bereitzustellen, mit der öffentliche IT-Dienstleister generative KI für Kommunen sicher, wirtschaftlich und skalierbar nutzbar machen. Durch die Standards der Plattform soll die Arbeit für Kommunen im Kontext Datenschutz, Compliance und IT-Sicherheit auf ein Minimum reduziert werden. Wir entwickeln zum Beispiel die Applikation „Kommunale AI“ – kurz KAI – für diese Plattform. Der kommunale Chatbot KAI wird derzeit in einigen bayerischen Kommunen pilotiert und soll ab Sommer 2026 auch für andere Kommunen verfügbar sein. KAI bietet alle gewohnten KI-Chatbot-Features – und wird nach und nach auch in den Oberflächen unserer Fachverfahren zur Verfügung stehen. Damit wird KAI – betrieben über die GenAI-Plattform – zum Assistenten im Verwaltungsalltag vieler kommunaler Mitarbeiter. 

Deutsche Verwaltungscloud und Deutschland-Stack – welche Rolle spielt die AKDB? 

Aschenbrenner: Die AKDB arbeitet unter dem Dach der govdigital mit anderen öffentlichen IT-Dienstleistern am Aufbau der Deutschen Verwaltungscloud (DVC). Unser Ziel ist die Schaffung von gemeinsamen Standards und offenen Schnittstellen für Cloud-Lösungen der öffentlichen Verwaltung, um eine maximal kompatible und modulare föderale Cloud-Infrastruktur unter Einbindung aller föderalen Ebenen zu etablieren. Ein erster Schritt war die Etablierung eines Cloud-Service- Portals, um Kommunen moderne, skalierbare Cloud-Services von diversen öffentlichen IT-Dienstleistern bereitzustellen. Was den Deutschland-Stack betrifft, so finden wir die Idee natürlich gut, denn er ist ein wichtiger Baustein für die digitale Transformation des deutschen Staates. Er ist quasi die nationale souveräne Technologie-Plattform für die Digitalvorhaben in Deutschland. Und wir wollen natürlich unseren Beitrag leisten! 

Föderalismus: Hemmschuh oder Vorteil? 

Schleyer: Föderalismus kann ein Motor sein – wenn wir konsequent Synergien schaffen und erfolgreich zusammenarbeiten. Kooperation ist das Erfolgsgeheimnis. Und das funktioniert sehr wohl: Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung und die Länder Bayern und Hessen haben zum Beispiel im Januar 2026 einen neuen Umsetzungsansatz für die Digitalisierung der Verwaltung vorgestellt. Niedersachsen schloss sich der Initiative ebenso an. Kern des neuen Ansatzes ist der flächendeckende Rollout von jeweils fünf Online-Verwaltungsleistungen bis Ende 2026. Die Online- Leistungen Elektronische Wohnsitzanmeldung, Bauantrag, Waffenrechtliche Erlaubnisse, Führerscheinantrag und Aufenthaltstitel werden vom Bund damit unmittelbar finanziell gefördert – eine Entlastung für Kommunen. Ab dem Sommer 2026 wird das Programm auch für weitere Länder geöffnet. Aber auch Vorhaben wie die Registermodernisierung, die Deutsche Verwaltungscloud oder der Deutschland-Stack zeigen, dass Zentralisierung und Föderalismus keine Gegensätze sein müssen, solange man an einem Strang zieht. 

Vielen Dank für das Gespräch! 

War dieser Beitrag für Sie hilfreich?Sie haben diesen Beitrag als hilfreich markiert. Danke!
eREPORT 2/2026
nach oben