Mit 35 Jahren übernimmt Christian Davepon als Head of AI bei der AKDB den Auftrag, die Potenziale von künstlicher Intelligenz in den Verwaltungsalltag zu bringen. Stationen bei Startups, Konzernen und im öffentlichen Sektor liegen hinter ihm – und ermöglichen ihm den Vergleich der Sektoren und Perspektiven. Seine These: KI ist noch viel disruptiver, als die meisten denken! Im Interview erzählt er, welches Projekt ihn derzeit begeistert und wie KI heute schon Teil seines Alltags ist.
Warum bist Du zur AKDB gewechselt?
Der öffentliche Sektor war bereits in meinem Studium eines meiner Fokusthemen: Ich habe Philosophie und VWL studiert, später ein Masterstudium in Public Policy in Paris und Berlin absolviert. Außerdem war ich mit der Gründung von CrowdInsights, einer Plattform für Bürgerbeteiligung, schon immer nah an der kommunalen Welt – gleichzeitig aber auch stark in der Startup-Welt unterwegs. Die Privatwirtschaft mit ihrem hohen Innovationsdruck durch internationale Konkurrenz hat mich viel gelehrt, als ich bei der Otto Group gearbeitet habe. Jetzt wollte ich dieses Wissen in einem großen öffentlichen IT-Dienstleister einbringen – in einer Welt, die ebenfalls Transformation braucht.
Welche Themen möchtest Du hier vorantreiben?
Ich möchte bei der AKDB KI sowohl intern als auch extern voranbringen. Intern geht es darum, dass wir als Organisation die Technologie verstehen, Prozesse optimieren und insgesamt an unserer Effizienz arbeiten. Extern wollen wir als AKDB KI-Lösungen entwickeln, die die Probleme der Kommunen lösen – vom Fachkräftemangel bis zu komplexen Verwaltungsvorgängen. KI ist meiner Meinung nach oftmals die einzige Option, Verwaltung in der Fläche zu erhalten.
Springen wir in die Zukunft: Was könnte alles möglich sein?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es zu einer Konsolidierung der Kanäle kommen wird. Wieso sollten Bürgerinnen und Bürger auf dem Schirm haben, welches Amt oder welche Behörde zuständig für das Thema X, Y oder Z ist? Zukünftig werden Bürgerinnen und Bürger einen einzigen Kanal nutzen, zum Beispiel einen Chabot, sich dort authentifizieren und ihre Verwaltungsdienstleistung vollständig wahrnehmen können. Der Chatbot wird also agentisch sein, über Schnittstellen zu Fachverfahren und Registern verfügen und die nötigen Informationen einholen, verarbeiten und ausgeben. Die Zeit der Online-Dienste, wie wir sie heute kennen, wird bald vorbei sein.
Erinnerst Du Dich an den Moment, in dem Dich KI als Thema gepackt hat?
Der „ChatGPT-Moment“ Ende November 2022 war sicher ein Wow-Moment: Kurz nachdem das Modell öffentlich wurde, habe ich es ausprobiert und geglaubt, die Potenziale der Technologie für den Bereich Handel erahnt zu haben. Ich habe dann relativ zeitnah einen Expert Circle in der Otto Group initiiert und begonnen, Transparenz über die Aktivitäten der Teams im KIBereich zu schaffen, um schnellstmöglich Synergien zu schaffen.
Wie nutzt Du KI konkret im Alltag?
Die bessere Frage wäre: Wofür nutze ich KI nicht? Ich habe eine private ChatGPT-Pro-Lizenz, seit letzter Woche auch eine für die Pro-Version von Claude und setze KI für alles Mögliche ein – ob zur Rezeptentwicklung beim Kochen, zur Inspiration bei der Neugestaltung von Räumen oder auch zur Erstellung von ansprechenden Grafiken. Mit dem aktuellsten Bild-Modell von OpenAI Images 2 wurde ein neues Level erreicht, das bei Grafiken aller Art eine sehr große Hilfe ist.
Gibt es ein bestimmtes KI-Projekt, das Dich begeistert?
Ja – mein erstes Projekt bei der AKDB: die GenAI-Plattform. Die AKDB ist im Auftrag der govdigital federführend für den Aufbau dieser zentralen Entwicklungs- und Betriebsplattform für KIApplikationen im öffentlichen Sektor. Ziel ist es, allen Kommunen in Deutschland über ihre IT-Dienstleister eine Plattform zu bieten, um KI-Applikationen zu entwickeln und vor allem zu betreiben. Das Potenzial ist sehr groß, weil KI perspektivisch eine Standardtechnologie in allen Kommunen sein muss – sie aber idealerweise souverän, sicher und skalierbar betrieben werden muss.
Was würdest Du Kollegen raten, die sich mit KI-Technologien auseinandersetzen wollen?
Beschäftigt euch mit KI auch außerhalb der Arbeitszeit! Wer eine Leidenschaft für KI entwickelt und privat experimentiert, lernt schneller, versteht die Technologie tiefer und kann im Arbeitsumfeld viel schneller Mehrwerte mit der Technologie schaffen.
Wer ist Dein Vorbild?
Ich möchte immer lernen, aber nicht nur von dem einen Vorbild. Denn das gibt es für mich nicht. Mich beeindrucken Menschen, die entgegen den Erwartungen anderer Entscheidungen für sich und andere treffen. Das kann jemand sein, der eine besondere Passion hat – aber auch jemand, dem das Zusammenspiel von Familien- und Berufsleben gut gelingt. Von diesen Menschen lerne ich gerne oder frage sie nach Rat.
Wie verbringst Du am liebsten Deine Freizeit?
Momentan ist mein Leben stark geprägt von meiner kleinen Familie. Meine Frau und ich haben eine zweieinhalbjährige Tochter, im Sommer kommt unser Sohn dazu – parallel bauen wir unser Haus um. Viel Zeit für Freunde, Sport oder andere Freizeitaktivitäten bleibt da nicht. Ich genieße die aktuelle Lebensphase aber trotzdem sehr.
