Wie entwickeln sich kommunale IT-Infrastrukturen in den kommenden Jahren – und welche Rolle spielen dabei digitale Souveränität, Cybersicherheit und resiliente Verwaltungsprozesse? Im Interview spricht Dr. Rolf Beyer, Chief Cloud Transformation Officer der AKDB, über die Rolle öffentlicher IT-Dienstleister, den sinnvollen Einsatz moderner Cloud-Services und die Frage, wie Kommunen den Wandel pragmatisch und sicher gestalten können.

Wie wird sich die kommunale IT-Infrastruktur in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich entwickeln?
Die kommunale IT-Infrastruktur wird sich aus meiner Sicht deutlich stärker in Richtung standardisierter, interoperabler Plattformen entwickeln. Der Druck zur Digitalisierung kommunaler Leistungen steigt weiter; gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Informationssicherheit, Resilienz und regulatorische Nachvollziehbarkeit. Einzelne, isolierte IT-Lösungen werden diesen Anforderungen langfristig kaum noch wirtschaftlich gerecht werden können.
Wir werden deshalb verstärkt souveräne Cloud-Modelle sehen. Kritische Fachverfahren und besonders schützenswerte Daten verbleiben in hochsicheren Infrastrukturen auf deutschem Boden. Entscheidend ist dabei weniger die Frage „Cloud oder nicht Cloud“, sondern vielmehr, wie Betriebsmodelle so gestaltet werden, dass sie Datenschutz, Ausfallsicherheit und Skalierbarkeit gleichermaßen gewährleisten.
Zudem wird die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Ländern und IT-Dienstleistern enger werden müssen. Viele Herausforderungen lassen sich effizienter in gemeinsamen Plattformansätzen lösen als in dezentralen Einzelstrukturen. Gleichzeitig wird Automatisierung eine größere Rolle spielen, beispielsweise im Betrieb, beim Monitoring oder im Sicherheitsmanagement.
Welche Rolle sollten öffentliche IT-Dienstleister künftig spielen, um digitale Verwaltungsleistungen zuverlässig und unabhängig bereitzustellen?
Öffentliche IT-Dienstleister werden sich stärker vom klassischen Infrastrukturbetreiber hin zum Integrator, Plattformanbieter und Sicherheitsanker entwickeln.
Gerade im öffentlichen Sektor geht es nicht ausschließlich um Effizienz, sondern auch um digitale Souveränität und langfristige Verlässlichkeit. Öffentliche IT-Dienstleister verfügen über tiefes Verständnis für regulatorische Anforderungen, Verwaltungsprozesse und Datenschutz. Dieses Wissen ist wesentlich, um digitale Leistungen rechtskonform und dauerhaft stabil bereitzustellen.
Künftig wird ihre Aufgabe zunehmend darin bestehen, sichere Betriebsplattformen für standardisierte Verwaltungsservices bereitzustellen und gleichzeitig unterschiedliche Cloud-Modelle sinnvoll zu integrieren. Dazu gehören unter anderem Identitätsmanagement, sichere Datenräume, Netzwerkinfrastrukturen, Betriebsüberwachung sowie Notfall- und Sicherheitskonzepte.
Darüber sollten wir als IT-Dienstleister eine koordinierende Rolle übernehmen, indem wir gemeinsame Standards etablieren und Kommunen beim Übergang in moderne Betriebsmodelle begleiten. Insbesondere kleinere Kommunen sind häufig nicht in der Lage, komplexe Cloud- und Sicherheitsarchitekturen eigenständig aufzubauen oder dauerhaft zu betreiben.
Welche ersten konkreten Schritte empfehlen Sie Kommunen, die ihre bestehende IT-Landschaft schrittweise in moderne Cloud-Services überführen möchten?
Der wichtigste erste Schritt ist eine realistische Bestandsaufnahme. Viele Kommunen verfügen über historisch gewachsene IT-Landschaften mit unterschiedlichsten Fachverfahren, Schnittstellen und Betriebsmodellen. Bevor Technologien ausgewählt werden, sollte Klarheit darüber bestehen, welche Anwendungen besonders kritisch sind, welche Abhängigkeiten existieren und wo Modernisierungsbedarf besteht. Danach empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen mit klar priorisierten Anwendungsfällen.
Öffentliche IT-Dienstleister und IT-Admins in Kommunen werden in der Verwaltung noch enger zusammenarbeiten. IT-Verantwortliche werden neben operativen Tätigkeiten zunehmend eine koordinierende, steuernde Rolle einnehmen.
Entscheidend ist schließlich, Transformation als kontinuierlichen Prozess zu verstehen. Ziel sollte nicht die möglichst schnelle Migration sein, sondern eine dauerhaft tragfähige, sichere und wirtschaftlich betreibbare IT-Architektur.




