Beim jüngsten IT-Leiter-Stammtisch am 23. Juli 2026 diskutierten kommunale IT-Verantwortliche über Virtualisierungslösungen, Outsourcing-Risiken und die Frage, wohin die Reise im kommunalen IT-Betrieb langfristig geht. Die Runde zeigte: Der Druck ist hoch – und die Antworten sind komplex.
Der Online-Stammtisch, moderiert von Martin Zieglmeier und Johannes Hupfauf von der LivingData, startete mit einer einfachen Frage: Welche Virtualisierungsplattformen setzen Kommunen in Bayern aktuell ein? Die Antwort aus der Runde war wenig überraschend: Etablierte Virtualisierungslösungen sind nach wie vor weit verbreitet – und das oft seit vielen Jahren. „Laufendes System soll man nicht stören", brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. Doch die Ruhe ist trügerisch.
Denn bei vielen Kommunen stehen in den kommenden Jahren wichtige technische und lizenzrechtliche Veränderungen an. Bestehende Betriebsmodelle und Lizenzkonzepte werden teilweise durch neue Modelle ersetzt, was für zahlreiche Kommunen zusätzliche Kosten und Anpassungsaufwände mit sich bringen kann. Viele Teilnehmer beschäftigen sich bereits heute mit den daraus resultierenden Auswirkungen auf ihre IT-Strategie und Haushaltsplanung.
Virtualisierungsalternativen in der Diskussion
Die Sorge vor einer zu hohen Abhängigkeit von einzelnen Anbietern sowie vor steigenden Kosten bestimmte die Diskussionsrunde. Insbesondere für kleinere und mittlere Kommunen spielen wirtschaftliche Aspekte bei der Auswahl der zukünftigen Plattformstrategie eine wichtige Rolle.
Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, dass zahlreiche Fachanwendungen und technische Lösungen nur für bestimmte Virtualisierungsumgebungen freigegeben sind. Wer alternative Plattformen einsetzt, muss im Einzelfall prüfen, ob ein vollständiger Support gewährleistet ist. Ein Teilnehmer berichtete von einer gemischten Umgebung mit mehreren Virtualisierungsplattformen. Der Parallelbetrieb sei zwar möglich, führe jedoch zu einem deutlich höheren Betriebs- und Administrationsaufwand.
Voraussetzung für Outsourcing: Stabilität im Rechenzentrum
Bei der Frage, ob man die eigene IT in das Rechenzentrum eines IT-Dienstleisters auslagern sollte, rückte auch ein weiterer Faktor in den Vordergrund: die Stabilität der Systeme beim Outsourcing von Fachanwendungen ins Rechenzentrum. Besonders im Kfz-Zulassungs-, Führerschein- und Einwohnerwesen ist die Ausfallsicherheit von größter Bedeutung. Wer sein Einwohnerwesen im AKDB-Rechenzentrum hosten lässt, berichtete von stabiler Performance. Auch hierbei ist der Kostenfaktor entscheidend: Einige Kommunen scheuen sich davor, teure Hosting-Kosten zu tragen, andere berichten dagegen von massiver Entlastung beim IT-Personal, die die Kosten durchaus aufwiegt. Bemerkenswert: Bei Kosten und Migrationszeiten sind die Unterschiede zwischen den Anbietern von Rechenzentrumslösungen sehr groß. Weitere zentrale Fragen sind die zur Kompatibilität: Wie werden Fachanwendungen integriert, die auf Windows-Basis oder auf spezifischer Hardware laufen? Wie funktionieren Anbindungen an Bundesbehörden wie die Bundesdruckerei?
Zentralisierung: Ja, aber schrittweise
Es herrschte weitgehende Einigkeit, dass eine sinnvolle Zentralisierung – etwa bei E-Mail-Infrastruktur, gemeinsamen Fachverfahren oder zentralem Dokumentenmanagement – erhebliche Potenziale bietet. Besonders in Hinblick auf Cybersicherheit und Fachkräftemangel. IT-Leiter und ihre Kommunen betrachten Outsourcing als Lösung zu vielen Herausforderungen – von Fachkräftemangel, über Cybersicherheit bis hin zu wachsenden Ansprüchen an Rechenleistung –, doch sie fordern Lösungen, die finanziell stemmbar sind und die eine ausreichende Betreuung durch den externen IT-Dienstleister garantieren.
Viele plädieren für ein schrittweises Vorgehen – zunächst auf Landkreisebene, dann übergreifend. Wer versuche, alles auf einmal zu migrieren, riskiere, funktionierende Prozesse zu zerstören. Das Fazit der Runde: Outsourcing: ja! Aber engmaschig begleitet und mit Blick auf den Kostenfaktor.




