Bürgerbeteiligung ist in vielen Themenfeldern gesetzlich vorgeschrieben, wie etwa in der Bauleitplanung. Aber auch dort, wo keine Pflicht besteht, wird sie zunehmend zum Erfolgsfaktor: Sie verbessert Entscheidungen, stärkt Vertrauen in Politik und Verwaltung und hilft, Konflikte frühzeitig zu vermeiden. Viele Kommunen zögern noch, weil Beteiligung als aufwendig gilt. Dabei zeigt die Praxis, wie viel sie bewirken kann. Wir haben fünf Tipps für Sie. Sie basieren auf Erfahrungen aus unserer Zusammenarbeit mit Kommunen, die eine Bürgerbeteiligung bereits erfolgreich umgesetzt haben.
Tipp 1: Holen Sie sich Rückhalt von oben
Beteiligung gelingt nur, wenn sie politisch gewollt und sichtbar unterstützt wird. Wird das Thema von der Stadt- oder Gemeindespitze aktiv getragen, erhält es Gewicht und Glaubwürdigkeit. Diese Rückendeckung stärkt das Vertrauen der Bürgerschaft und signalisiert auch intern, dass Beteiligung Priorität hat. Mitarbeitende richten ihre Arbeit stärker an gemeinsamen Zielen aus.
In Hannover wirbt Oberbürgermeister Belit Onay mit einem Videostatement für die Beteiligung zur Innenstadtentwicklung. Das klare Signal von der Stadtspitze verankert das Projekt in Verwaltung und Öffentlichkeit.
Tipp 2: Stellen Sie die richtigen Fragen
Der Mehrwert von Beteiligung entsteht dort, wo Verwaltungen auf das Wissen der Menschen vor Ort angewiesen sind – etwa wie ein Platz genutzt wird, was fehlt oder was stört. Statt Zustimmung oder Ablehnung abzufragen, sollten Erfahrungen, Bedürfnisse und Ideen im Mittelpunkt stehen. So wird Beteiligung zur echten Erkenntnisquelle, nicht zur bloßen Meinungsabfrage.
In Koblenz war bekannt, dass sich Bürgerinnen und Bürger Trinkwasserspender wünschen. Daher fragte die Stadt gezielt nach dem „Wie“ und „Wo“. Durch offene Fragen entstanden konkrete Hinweise, die direkt in die Stadtplanung eingeflossen sind.
Tipp 3: Schaffen Sie Transparenz über den Beteiligungsprozess
Beteiligung ist erst dann erfolgreich, wenn Bürgerinnen und Bürger sehen, dass ihre Vorschläge etwas bewirken. Transparente Rückmeldungen sind dafür entscheidend. Verwaltungen sollten Ergebnisse offenlegen und zeigen, welche Anregungen in die Planung eingeflossen sind. Ebenso wichtig ist es, zu erklären, warum bestimmte Vorschläge nicht umgesetzt werden konnten. Das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
In Neufahrn werden beim Bürgerhaushalt alle Vorschläge auf der Beteiligungsplattform dokumentiert – mit Prüfstatus, Abstimmungsergebnis und Umsetzungsstand. So wird sichtbar, wie aus Ideen Maßnahmen werden. Zugleich steigt die Bereitschaft, erneut mitzuwirken.
Tipp 4: Passen Sie die Art der Beteiligung Ihrer Zielgruppe an
Damit Beteiligung möglichst viele erreicht, sollte sie an die Lebensrealität der Zielgruppen angepasst sein. In manchen Stadtteilen funktionieren digitale Wege gut, in anderen braucht es persönliche Begegnung. Beide Ansätze zusammen erhöhen Reichweite und Wirkung.
Im Berliner Stadtteil Staaken waren Nachbarinnen und Nachbarn an der Gestaltung eines großen Wandbilds beteiligt. Dafür wurden neben einer Online-Karte auch Stadtpläne im öffentlichen Raum genutzt. Über 450 Beiträge aus beiden Formaten entstanden, die anschließend digital ausgewertet wurden – ein sichtbares Ergebnis gemeinsamer Gestaltung.
Tipp 5: Sparen Sie Kosten mit einer einheitlichen digitalen Plattform
Beteiligung kostet Zeit und Personal. Wenn sie jedoch gut organisiert ist, spart sie langfristig Aufwand und externe Kosten. Wer auf wiederverwendbare Strukturen und digitale Werkzeuge setzt, schafft Effizienz und Planungssicherheit.
In Forchheim werden alle Beteiligungsprojekte über eine zentrale Online-Plattform umgesetzt. „Es ist natürlich eine Investition“, sagt Matthias Hoffmann, Sachgebietsleiter Geodatenverwaltung. „Aber wir sparen Zeit und Geld. Statt für jedes Projekt externe Dienstleister zu beauftragen, können wir vieles selbst erledigen.“
