Schluss mit komplizierten Formularen und Nachforderungen: Der neue intelligente Verwaltungsassistent iva.AT prüft digitale Anträge auf Aufenthaltstitel bereits beim Ausfüllen – und weist Bürgerinnen und Bürger sofort auf fehlende oder unpassende Unterlagen hin. Das spart Zeit, macht den Antrag einfacher und erhöht die Chance, dass er gleich beim ersten Mal vollständig ist. Seit Februar 2026 wird iva.AT in acht deutschen Ausländerbehörden getestet – und könnte schon bald allen Online-Antragstellenden zur Verfügung stehen.
Im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg ist Anfang Februar 2026 ein neues Kapitel der digitalen Verwaltung gestartet: Erstmals wird dort eine künstliche Intelligenz bei Online-Anträgen auf Aufenthaltstitel eingesetzt. Das Pilotprojekt ist Teil des bundesweit etablierten Programms „Aufenthalt Digital“ und wird von der AKDB technisch realisiert. Ziel des Einsatzes ist es, die Qualität digital eingereichter Unterlagen deutlich zu erhöhen und die Bearbeitung in den Behörden zu beschleunigen – ohne dabei die Entscheidungsfreiheit der Mitarbeitenden oder der Antragstellenden einzuschränken.
Anträge auf Richtigkeit und Vollständigkeit prüfen
Die neue KI-Komponente trägt den Namen iva.AT – „Intelligenter Verwaltungsassistent“ für Aufenthaltstitelanträge. Sie unterstützt die Ausländerbehörden, indem sie bereits bei der digitalen Antragstellung erkennt, ob hochgeladene Dokumente tatsächlich den Anforderungen entsprechen, ob Angaben vollständig sind oder ob Widersprüche vorliegen. Bürgerinnen und Bürger erhalten unmittelbar Hinweise, wenn Unterlagen fehlen oder nicht in der richtigen Form vorliegen. Für die Mitarbeitenden in den Behörden bedeutet das weniger zeitaufwändige Rückfragen und Nachforderungen, kürzere Bearbeitungszeiten und insgesamt eine höhere Qualität der Antragsdokumente.
Pilotiert in acht Ausländerbehörden in sechs Bundesländern
Neben dem Landkreis Dahme-Spreewald beteiligen sich derzeit im Rahmen der ersten Pilotphase sieben weitere Ausländerbehörden aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Die Auswahl erfolgte bewusst geographisch und strukturell heterogen, um das System unter verschiedenen organisatorischen Bedingungen zu testen. Die Pilotierungen finden in Bayern, Sachsen, Niedersachsen, Brandenburg, Baden-Württemberg und Hessen statt. Damit sind die Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb besonders aussagekräftig, denn iva.AT wird von Beginn an in echten Fällen des Arbeitsalltags eingesetzt.
Künftig in 334 Ausländerbehörden nutzbar
Zur Einführung konzentriert sich die KI-Komponente auf die vier meistgenutzten Antragsstrecken im Aufenthaltsbereich: Erwerbstätigkeit, Familiennachzug, Ausbildung und Niederlassungserlaubnis. Nach Abschluss der Pilotphase im ersten Halbjahr 2026 soll die Lösung schrittweise auch weiteren Ausländerbehörden zur Verfügung stehen, die bereits die Online-Dienste von „Aufenthalt Digital“ einsetzen. Dabei haben sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch die Sachbearbeitenden die freie Wahl, ob sie die KI-Unterstützung aktivieren möchten. Die KI liefert eine Vorabprüfung, die die Arbeit erleichtert, ohne eine Vorentscheidung zu treffen.
Weniger Fehler, schnellere Fallbearbeitung
Erste Auswertungen der laufenden Pilotierungen zeigen bereits positive Tendenzen: Fehlerquoten gehen zurück, die Bearbeitung wird schneller – konkrete Zahlen werden nach Abschluss der Datenerhebung veröffentlicht. Das Innenministerium von Brandenburg sieht darin einen weiteren Schritt, um die Ausländerbehörden im Land und in anderen Bundesländern zu entlasten und gleichzeitig den Service für die Nutzerinnen und Nutzer deutlich zu verbessern.
KI auch beim Wohngeldantrag
Parallel zum Projekt im Aufenthaltsrecht läuft seit Ende 2025 die Erprobung von iva.WG für Wohngeldämter. Auch hier übernimmt die KI die Rolle eines intelligenten Assistenten, der Anträge prüft, auf fehlende Angaben hinweist und Arbeitsschritte automatisiert. Momentan wird iva.WG in fünf Kommunen getestet. Weitere Kommunen haben ihr Interesse bekundet, und Gespräche über neue Pilotierungen laufen bereits.
Weitere KI-Assistenten geprüft
Die AKDB plant zudem, unter dem Produktnamen iva.Services weitere KI-basierte Verwaltungsassistenten in den kommenden Monaten schrittweise in Betrieb zu nehmen. Ziel ist es, Verwaltungsprozesse über unterschiedliche Fachbereiche hinweg zu standardisieren, Antragstellungen zu vereinfachen und den digitalen Bürgerservice nachhaltig zu verbessern.
Mit iva.AT und den weiteren Anwendungen wird die künstliche Intelligenz vom reinen Technik-Tool zum strategischen Partner in der Verwaltung. Sie zeigt, dass digitale Innovation nicht nur Geschwindigkeit und Effizienz bringt, sondern auch die Qualität und Zuverlässigkeit von Verwaltungsprozessen steigern kann – und damit einen echten Mehrwert für Bürger und Behörden gleichermaßen bietet.



