Schmuckbild 2. AKDB Kommunalforum am 18.10.2016 in der BMW Welt München

3 Fragen an Martin Hauschild, Leiter Mobilitätstechnologien BMW Group

"Cyber-Taxis, Carsharing, vernetzte Verkehrssysteme: wie das digitale Zeitalter die Mobilität von morgen revolutioniert."

Martin Hauschild, Leiter Mobilitätstechnologien BMW Group


1. Müssen bei der Realisierung zukünftiger Mobilitätskonzepte Anbieter wie BMW und Kommunen nicht intensiv zusammenarbeiten? Wo liegen hier die Schnittmengen?

Die kooperative Zusammenarbeit zwischen Industrie und Kommunen bei Lösungen für die zukünftige Mobilität ist heute sowie zukünftig ein zentraler Baustein, um die Verkehrsprobleme zu bewältigen und der Bevölkerung neue zukunftsweisende Mobilitätslösungen anzubieten. Dieser Weg kann nicht durch einzelne Unternehmen, sondern nur durch ein gemeinsames Miteinander und Zusammenspiel zwischen verschiedenen Akteuren, wie Autoindustrie, Technologieunternehmen, Wissenschaft und kommunale sowie staatliche Behörden beschritten werden. Gemeinsam und konstruktiv muss nach Lösungen für die Herausforderungen von morgen gesucht werden. Zentrale Schnittmengen liegen beispielsweise auf der technischen Ebene, wie dem Austausch von Daten, damit Systeme gegenseitig optimiert und intelligenter miteinander vernetzt werden können, um dadurch Mobilität zu gewährleisten und entsprechende Angebote transparent, flexibel und einfach zu gestalten. An diesen und weiteren Schnittstellen müssen die Industrie sowie die öffentliche Hand in den nächsten Jahren gemeinschaftlich arbeiten. Essentiell ist es dabei, die „gut und böse“-Diskussionen zu vermeiden und gemeinsam den Dialog zu führen, um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

2. Welche Aspekte von Rechts- und Haftungsfragen beim autonomen Fahren sind weitgehend gelöst, welche noch offen?

Vor dem Hintergrund sich stetig weiter entwickelnder technischer Systeme zur Unterstützung des Fahrers (Fahrerassistenzsysteme, automatisierte Fahrfunktionen) wurde Ende März 2014 eine Änderung des Wiener Übereinkommens vorgeschlagen. Die Änderung sieht vor, dass Systeme, welche die Führung eines Fahrzeugs beeinflussen, im Straßenverkehr als zulässig erachtet werden, wenn diese den Zulassungsvorschriften entsprechen und so gestaltet sind, dass sie durch den Fahrer übersteuerbar oder abschaltbar sind. Damit ist bspw. die Einführung des hochautomatisierten Fahrens auf Autobahnen aus BMW Sicht möglich. Diese gesetzlichen Änderungen enthalten jedoch noch nicht den nötigen Umfang für die Einführung des vollautomatisierten fahrerlosen Fahrens. Somit besteht weiterer Handlungsbedarf, vor allem in der Weiterentwicklung der Zulassungsvorschriften, um einfache und klare Regelungen zu schaffen. Die derzeit laufende Überarbeitung der Erweiterungen für automatisches Lenken ist der erste Schritt. Weitere müssen rasch folgen und werden derzeit vorbereitet.

Über das Zulassungsrecht hinaus sind ebenfalls Anpassungen in der Straßenverkehrsordnung erforderlich, um Rechtssicherheit für Passagiere zu schaffen, die in einem selbstfahrenden Auto gefahren werden. Aus unserer Sicht gibt es keine Handlungsbedarfe bezüglich der gesetzlichen Vorgaben zu Versicherungen und Haftungsfragen.

 

3. Welche Veränderungen bringen das autonome Fahren und intelligent vernetzte Verkehrssysteme für Stadtbewohner auf der einen und Landbewohner auf der anderen Seite mit sich?

Autonomes Fahren und intelligentes Verkehrsmanagement können zukünftig dafür sorgen, dass der Verkehrsfluss optimiert, Umweltverschmutzung und Unfälle reduziert sowie Parkraum optimal genutzt werden. Im selben Zuge kann die Technik einer älter werdenden Gesellschaft in urbanen sowie ländlichen Räumen eine bessere Mobilität gewährleisten und somit auch die soziale Teilhabe älterer Menschen in der Bevölkerung sicherstellen -vor allem im ländlichen Raum, wo die Nachfrage oft weniger stark gebündelt auftritt, kann die Technologie zu starken Vorteilen führen.

Bei einer zunehmenden Verstädterung werden die Pendelströme in eine Richtung - Pendelverkehr zur Arbeitsstätte und wieder zurück - immer größer. Autonome Fahrzeuge in Verbindung mit intelligenten Assistenzsystemen, die Ampeln, Stauwarnsysteme, Infrastruktur und Verkehrsteilnehmer untereinander vernetzen, sind die Voraussetzung, diese steigende Mobilitätsnachfrage optimal mit dem Angebot zu verknüpfen und Mobilität weiterhin für alle zu gewährleisten. Beispielsweise ist es denkbar, dass in Stadtrandgebieten und im ländlichen Raum autonome Fahrzeuge als Zu- und Abbringer zum öffentlichen Verkehr genutzt werden.

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