News der AKDB

18.02.2016

„Wir sorgen für höchste Sicherheit“

Der AKDB-Vorstand, Alexander Schroth und Rudolf Schleyer, im Gespräch mit dem Chefredakteur der Bayerischen Staatszeitung, Ralph Schweinfurth, über aktuelle Themen im eGovernment, über Datenschutz und Datensicherheit sowie über neue Produkte für Kommunen.

Chefredakteur Ralph Schweinfurth im Gespräch mit den beiden AKDB-Vorstandsmitgliedern Alexander Schroth und Rudolf Schleyer.

BSZ Herr Schroth, wie steht es ums E-Government in den Kommunen und mit dem von Ihrem Haus entwickelten Bürgerservice-Portal?
SCHROTH Das Bürgerservice-Portal ist ein echtes Erfolgsmodell. Es haben sich im Freistaat bereits über 500 Kommunen für die Lösung entschieden. Zusammen mit den Kommunen außerhalb Bayerns profitieren insgesamt etwa 17 Millionen Bürger von dieser Portaltechnologie. In Bayern nutzen nahezu alle Landkreise das Bürgerservice-Portal.

BSZ Herr Schleyer, was macht diesen Erfolg aus?
SCHLEYER Dass in diesem Portal 70 Dienste 24 Stunden an sieben Tagen der Woche online angeboten werden. Dabei braucht man nur für einen geringen Teil davon ein elektronisches Identifikationsverfahren. Die meisten Anwendungen laufen auch ohne Verwendung der eID Funktion, wie sie der neue Personalausweis bietet.

BSZ
Welche zum Beispiel?
SCHROTH Das hängt auch von der jeweiligen Kommune ab. Während beispielsweise bei der Online-Kfz-Zulassung die Verwendung der eID Funktion des neuen Personalausweises rechtlich vorgeschrieben ist, entscheidet die Kommune, ob sie zum Beispiel für die Erhebung der Hundesteuer ein ebenso hohes Authentifizierungsniveau braucht oder nicht.

BSZ Hundesteuer ist eher ein triviales Thema. Wenn es um personenbezogene Daten geht, wird die Sache schon komplizierter. Wie sieht es mit der Datensicherheit bei zunehmender Digitalisierung von Verwaltungsprozessen aus? Hacken kann man ja alles.
SCHROTH Dem Thema Sicherheit kommt auch in der Verwaltung ein immer höherer Stellenwert zu. Dies zeigen die Datensicherheitsdiskussion wie zum Beispiel das „Safe-Harbor-Abkommen“ und die sich häufenden Fälle von Hackerangriffen und Dateneinbrüchen in der Wirtschaft. Durch die zunehmende Vernetzung nimmt die potenzielle Gefährdung stark zu.

BSZ Was sollten die Kommunen also tun, um ihre Daten zu schützen?

SCHLEYER Die Bürger müssen darauf vertrauen können, dass ihre Daten den hoheitlichen Bereich nicht verlassen. Konsequenterweise rät auch der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz nicht nur von undefinierbaren Cloud-Dienstleistungen ab, sondern empfiehlt vielmehr die Nutzung öffentlich-rechtlicher Rechenzentren. Die AKDB setzt klar auf das Konzept „Sicheres Rechenzentrum mit Standort in Bayern statt anonymer Cloud“!

BSZ
Was ist an der allerorten so stark propagierten Cloud so schlimm?
SCHROTH Die größten Unsicherheiten ergeben sich daraus, dass die jeweiligen Standorte der Daten und die tatsächlichen Betreiber der Systeme nicht feststehen. Das mag bei Urlaubsfotos egal sein. Aber eben nicht bei sensiblen Bürgerdaten.

BSZ Und die AKDB sorgt dafür, dass die Daten der öffentlichen Verwaltung nicht irgendwo auf den Fidschi-Inseln gespeichert werden, sondern im Rechenzentrum der AKDB im Freistaat.

SCHROTH Richtig. Wir sorgen in unserem Rechenzentrum für höchste Sicherheit. Dies wird durch die BSI Zertifizierung extern bestätigt und jährlich überprüft. BSI steht für Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Neben den Zertifizierungen und Audits, die die Daten und Prozesssicherheit bestätigen, ist es tagtägliche Aufgabe, alle Systeme und Komponenten auf dem jeweils aktuellsten technologischen Stand zu halten, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. E-Government-Angebote wie die Online-Dienste des Bürgerservice-Portals werden darüber hinaus regelmäßig durch Penetrationstests von Dritten überprüft.

BSZ Das heißt, Sie lassen Hacker kontrolliert Cyberangriffe auf die AKDB-Systeme vornehmen?
SCHLEYER Ja, nur so können wir eventuelle Einfallstore und Sicherheitsrisiken aufspüren und abstellen.

BSZ Große Kommunen haben meist eigene Rechenzentren. Wer nutzt das AKDB-Rechenzentrum?
SCHLEYER Vor zehn Jahren waren es noch überwiegend kleinere Kommunen. Heute lagern auch durchaus größere Verwaltungseinheiten wie Landkreise den überwiegenden Teil ihres IT-Betriebs ins Rechenzentrum der AKDB aus. Insgesamt nutzen über 1400 Kommunen das Angebot aus dem AKDB-Rechenzentrum. Der Zuwachs beträgt hier zirka fünf Prozent jährlich.

BSZ Noch einmal zum AKDB-Verkaufsschlager Bürgerservice-Portal: Welche Verwaltungsprozesse lassen sich online noch abbilden?
SCHROTH Die AKDB hat bereits über 70 Online-Verwaltungsprozesse im Angebot. Sie stammen unter anderem aus den Bereichen Meldewesen, Kfz-Zulassung, Führerscheinwesen, Personenstandswesen, Finanz- und Gewerbewesen. Weitere Angebote sind geplant. Hier stehen wir etwa in Kundenarbeitskreisen und auf Messen in Kontakt mit Kommunen sowie Bürgern. Wichtige Kriterien sind dabei, welchen konkreten Nutzen die Verwaltung, aber insbesondere auch die Antragsteller, also Bürger und Wirtschaft, von einer Online-Umsetzung haben. Konkret diskutiert werden derzeit etwa die Buchung von Freizeit- und Ferienangeboten, Bürgerbeteiligungen, Ressourcen-Reservierung oder ein Web-Shop.

BSZ Wenn man Ihnen so zuhört, drängt sich einem der Eindruck auf, dass jede Kommune, die das Bürgerservice-Portal nicht nutzt, sich viel Potenzial im Bereich E-Government durch die Lappen gehen lässt.
SCHLEYER In der Tat ist mit dem Bürgerservice-Portal eine Basisinfrastruktur für E-Government geschaffen worden. Für Nutzer ist das eine deutliche Vereinfachung, da mit nur einer Anmeldung Dienste von Gemeinden, Landkreisen oder auch dem Freistaat zur Verfügung stehen. Auch das Bedienkonzept ist dabei stets einheitlich. Grundlage ist die Digitalisierungsoffensive Montgelas 3.0 der bayerischen Staatsregierung, innerhalb derer vom Freistaat die zentralen Basisdienste BayernID, Postkorb und E-Payment kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Diese Offensive wird gemeinsam mit dem neuen bayerischen E-Government-Gesetz die Online-Verwaltungsdienstleistungen weiter voranbringen.

BSZ Unternehmen klagen, dass viel für den Bürger in Sachen „Digitales Rathaus“ unternommen, die Wirtschaft aber häufig vernachlässigt wird. Was sagen Sie dazu?
SCHROTH Bei der Online-Umsetzung von Verwaltungsvorgängen spielt der Nutzen für die Anwender und Beteiligten eine wesentliche Rolle. Entscheidend ist natürlich auch, dass Vorgänge mit einer bestimmten Häufigkeit nachgefragt werden und erforderliche Unterlagen auch in elektronischer Form rechtskonform beigefügt werden können.

BSZ Viele aus der Wirtschaft wünschen sich, Bauanträge online abzuwickeln. Was ist so schwer daran?
SCHROTH Der gern und oft von Unternehmensseite thematisierte Bauantrag ist hinsichtlich der vielen beteiligten Instanzen, Vorschriften und Prüfprozesse sehr komplex und umfangreich. Daran ändert auch ein digitaler Prozess nichts. Im Grunde ist mit dem Wunsch nach einem Online-Bauantrag vor allem die Erwartung an eine schnellere Baugenehmigung geknüpft – diese wird aber wie eingangs schon erwähnt wesentlich von den gesetzlichen (Prüf)Vorschriften bestimmt. Eine Statusabfrage zum Bauantrag bietet die AKDB über das Bürgerservice-Terminal schon heute an.

BSZ Was bietet die AKDB der Wirtschaft an E-Government-Prozessen?
SCHLEYER Mit der landesweiten E-Government-Plattform auf Grundlage des Bürgerservice-Portals der AKDB ist in Bayern auch für die Wirtschaft eine standardisierte Dienste-Plattform entstanden: Für die Wirtschaft soll ein spezielles Unternehmenskonto bereitgestellt werden, um spezifische Belange von Unternehmen, Betrieben und juristischen Personen abzudecken. Dienste werden schon heute von Vermieter- und Wohnungsbaugesellschaften nachgefragt, um Ein- und Auszüge ihrer Mieter online an die Meldebehörde zu übermitteln. Auch die medienbruchfreie Außerbetriebsetzung von Kraftfahrzeugen – und ab Ende dieses Jahres auch die Wiederinbetriebnahme von Fahrzeugen – sollen für den Automobilsektor über ein Servicekonto bereitgestellt werden.

BSZ Was ist noch möglich?
SCHLEYER Dort, wo die Wirtschaft weitere Online-Dienste mit hoher Nutzungshäufigkeit erwartet, werden wir diese auch bereitstellen. Da die Plattform sowohl kommunale Services als auch Dienste des Freistaats abdeckt, stehen aus Sicht der Wirtschaft alle Angebote „unter einem Dach“ landesweit einheitlich zur Verfügung. Ziel ist es, zukünftig zwischen dieser bayerischen Lösung und anderen Bundesländern Interoperabilität herzustellen, um auch länderübergreifend tätigen Unternehmen ein einheitliches Angebot bereitzustellen. Die Lösung der AKDB ist nicht nur bei außerbayerischen Rechenzentren und Kommunen im Einsatz, auch andere Bundesländer haben bereits Interesse bekundet.

BSZ Beschäftigen wir uns einmal mit der elektronischen Signatur. Inwieweit bremst das immer noch die weitere Entwicklung digitaler Verwaltungsprozesse?
SCHROTH Digitale Signaturen spielen in der kommunalen Praxis nur eine eingeschränkte Rolle. Verwaltungsintern gibt es bei den Standesämtern einen weitgehend reibungslosen Einsatz bei Beurkundungen. In wenigen Einzelfällen in anderen Verwaltungsbereichen auch bei der Ablage von Dokumenten in elektronischen Akten. Keine Bedeutung hat die Signatur erlangt bei der Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürger, also dem E-Government. Hier spielen landesweite E-Government-Plattformen wie etwa in Bayern die entscheidende Rolle. Das Bürgerkonto ermöglicht es unter anderem, E-Government-Angebote Ebenen übergreifend und überregional zubündeln. Damit muss man weniger nach der „Zuständigkeit“ suchen. Außerdem erhöht das Bürgerkonto den Komfort. Nach einmaliger Anmeldung stehen die hinterlegten Bezahl- und Adressdaten zur Verfügung. Somit entfällt mehrfaches Ausfüllen von Formularen. Und alle Antworten der Verwaltung stehen elektronisch in einem Postfach zur Verfügung – soweit eine Übersendung per E-Mail datenschutzrechtlich nicht zulässig ist. Und es ermöglicht einfache und möglichst mehrere elektronische Bezahlmöglichkeiten sowie standardisierte Bedienkonzepte. Damit vermeidet man eine Insellösung je Behörde. Darüber hinaus kann mit der eID-Funktion des neuen Personalausweises im Einzelfall eine besonders hohe Rechtssicherheit geschaffen werden. Aber eben nur dort, wo es notwendig ist, und nicht bei einer Vielzahl von Anträgen, wie dies bei der Signatur vorgesehen war.

BSZ Welche Projekte will die AKDB dieses Jahr realisieren?
SCHLEYER Die AKDB arbeitet seit mehreren Jahren an der grundlegenden Modernisierung ihrer OK-Fachverfahren. Dabei werden die aktuellen Anforderungen der Kommunen mit Blick in die Zukunft umgesetzt. Diese sind zum Beispiel die Rechenzentrumsfähigkeit, also die Nutzung der Verfahren aus einem Rechenzentrum heraus. Dadurch werden Verwaltungen vom technischen Betrieb entlastet und können sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Aber auch verfahrensübergreifende Bedienkonzepte stehen an. Damit reduziert sich der Schulungsaufwand und die Realisierung etwa eines Bürgerbüros mit mehreren Verfahren an einem Arbeitsplatz im Sinne eines Servicepoints wird leichter. Zudem wird es neue Oberflächen geben, die mit einem modernen Look and Feel auch neue Verwaltungsmitarbeiter schnell ansprechen.

BSZ Erhält diese neue Software auch einen neuen Namen?
SCHLEYER Ja, diese neuen Verfahren werden unter dem Dach der neuen Softwaregeneration SYNERGO® angeboten. Diese umfasst derzeit die Kfz-Zulassung, das Gewerbewesen, das Jugendwesen und das Einwohnerwesen, weitere sind in Planung. 2016 werden die 2015 begonnenen Pilotinstallationen und weitere Produktivinstallationen bei zahlreichen Kunden ausgerollt.

BSZ Und wie unterstützt die AKDB beim Megathema Flüchtlinge?
SCHROTH Beim Thema Asylbewerber sind sowohl auf Bundes- als auch Länderebene eine Vielzahl an IT-Systemen beteiligt, auf kommunaler Ebene auch Fachverfahren der AKDB, wie zum Beispiel OK.VISA, das die ausländerrechtlichen Angelegenheiten abbildet, OK.SOZIUS, das bei den Asylbewerberleistungen unterstützt sowie unsere neue Lösung Tau-Office für das Unterbringungsmanagement. Um eine mehrmalige manuelle Datenerfassung durch verschiedene Behörden im Asylverfahren zu vermeiden, führen wir derzeit Gespräche mit staatlichen Stellen mit dem Ziel, dass die Daten neu zugewiesener Personen aus dem sogenannten integrierten Migrantenverwaltungssystem (iMVS) in die AKDB-Fachverfahren bei den Kreisverwaltungsbehörden ohne Medienbrüche übernommen werden können.

BSZ Wie stark ist die AKDB inzwischen jenseits der weiß-blauen Landesgrenze?
SCHROTH Außerhalb Bayerns tritt die AKDB über ihre Vertriebstochter kommIT GmbH primär als Softwarehaus für kommunale Fachverfahren auf, in Bayern spielen zusätzlich der Kundenservice, der Rechenzentrums-Betrieb und die Betreuung vor Ort über die LivingData GmbH eine große Rolle. Außerhalb Bayerns setzen über 1000 Kunden sowohl aus dem kommunalen als auch aus dem nicht-kommunalen Bereich – wie zum Beispiel Krankenkassen und Krankenhäuser – auf die Software der AKDB. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit anderen kommunalen Rechenzentren, die die Produkte der AKDB einsetzen und für Kommunen bereitstellen. Beispiele sind die regioIT Aachen, ITK Rheinland, KRZ Minden-Ravensberg/Lippe, ITEBO Osnabrück oder KDG Göttingen.

BSZ Was bringt der Vertrieb außerhalb Bayerns?
SCHLEYER Die außerbayerische Vermarktung der AKDB-Angebote trägt zur wirtschaftlichen Bereitstellung moderner kommunaler Software entscheidend bei. Durch den deutschlandweiten Einsatz der OK.Verfahren etwa in Hamburg, Düsseldorf, Köln oder Wiesbaden profitieren also auch die bayerischen Kommunen. Dies sorgt für Preisstabilität trotz hoher Aufwände für die Softwareentwicklung. Und: In mehreren Bereichen ist die Software der AKDB deutschlandweit Marktführer oder zählt zumindest zu den TOP 5 der Hersteller, etwa bei der Kfz-Zulassung, dem Einwohnerwesen, dem Führerscheinverfahren oder bei E-Government-Plattformen. Auch dies zeigt, dass die Verfahren der AKDB fachlich und wirtschaftlich voll wettbewerbsfähig sind.

BSZ Für all diese neuen Entwicklungen braucht man ja auch Personal. Doch der Markt an IT-Fachkräften ist fast leergefegt. Was machen Sie?
SCHROTH Die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte ist sowohl für Kommunen als auch für die AKDB eine zunehmende Herausforderung. Beide stehen in direktem Wettbewerb um Arbeitskräfte mit der Wirtschaft. Als AKDB bemühen wir uns, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglichst attraktive Arbeitsplätze zu bieten. Dies umfasst etwa eine moderne  Arbeitsplatzausstattung, flexible Arbeitszeiten und ein familienfreundlich gestaltetes Arbeitsumfeld. Die Kommunen unterstützen wir dabei, den Personalbedarf so gering wie möglich zu halten, in dem wir möglichst einfach bedienbare Fachverfahren, umfassende Schulungsangebote sowie einen umfangreichen Kundenservice via Hotline anbieten. Mit vollständigen Dienstleistungen wie dem Service-Center Personal für die Personalabrechnung und Rechenzentrums-Angeboten zum Betrieb von Fachverfahren bieten wir in verschiedenen Bereichen eine umfassende Alternative zu Spezialisten, die nicht jede Kommune mehr im ausreichenden Maße selbstgewinnen kann.