News der AKDB

Digitalisierung auf dem Land: So wird's gemacht!

Smart Cities sind in aller Munde. Aber was ist mit Smart Country? Von der Digitalisierung profitieren nämlich besonders strukturschwache Regionen. Deshalb fördert die Initiative "Digitales Dorf" bayerische Kommunen bei dem Ausbau digitaler Angebote. Die Gemeinden Spiegelau und Frauenau im Bayerischen Wald haben den Förderpreis 2018 für die Region Südbayern gewonnen. Und über ihre Digitalisierungsprojekte auf dem vergangenen 3. AKDB Kommunalforum berichtet. Wir haben mit den Bürgermeistern der beiden Gemeinden gesprochen. 

Bürgermeister Karlheinz Roth stellte auf dem 3. AKDB Kommunalforum das Förderprojekt "Digitales Dorf" für den südbayerischen Gewinner, den Gemeindeverbund Spiegelau-Frauenau, vor.

Herr Roth, Herr Schreiner, welches Konzept haben die Kommunen Spiegelau und Frauenau der Förderjury präsentiert?

Karlheinz Roth: Es gab dazu einen zweistufigen Wettbewerb. In der Stufe eins haben sich Spiegelau und Frauenau für die Teilnahme am Projekt "eDorf", wie dieses Förderprogramm ursprünglich hieß, angemeldet. Das Besondere an dieser gemeinsamen Anmeldung: Es waren zwei Kommunen, und sie kamen noch dazu aus zwei verschiedenen Landkreisen. Für das Projekt waren neun Handlungsfelder definiert, sieben davon wurden von den beiden Kommunen vorausgewählt.

In der Stufe zwei gab es dann eine Bewerbung der beiden Kommunen, die 90 Seiten stark war und die sieben Maßnahmenfelder umspannte: Telemedizin, digitales Rathaus, Dorfshuttle, Nahversorgung durch ein Bestell- und Liefersystem im Lebensmitteleinzelhandel, Wohnwelten für unterschiedlich pflegebedürftige Zielgruppen, digitale Lehr- und Bildungsangebote sowie ein Telearbeitszentrum.
Ein Vorschlag in Sachen Telemedizin ist hierbei besonders erwähnenswert, denn im Rahmen des Projektes sollte unter anderem ein ganzheitliches vernetztes Medizin- und Pflegenetzwerk für alle Bürger entstehen, das von einer Informationsplattform über Telemedizinanwendungen bis zur Gemeindeschwester unter Einbindung ehrenamtlichen Engagements reicht.

Digitalisierung und technologische Unterstützung sollen aber vor allem älteren Menschen oder Menschen mit Handicap ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden im ländlichen Raum erleichtern. Die Medizin soll zum Menschen kommen – und nicht umgekehrt; aufwändige Wege zu Fachärzten können gegebenenfalls über neuartige Anwendungen reduziert werden. Mit diesem Konzept haben Spiegelau und Frauenau die Jury überzeugt und den Zuschlag erhalten, um ein "digitales Dorf" im südbayerischen Raum zu werden.

Wie geht die Digitalisierung in ihren beiden Gemeinden nun konkret weiter?

Herbert Schreiner: Die Themen aus dem Bewerbungskonzept werden derzeit, unter Federführung der TH Deggendorf, Technologiecampus Grafenau, Schritt für Schritt umgesetzt. Es gibt Arbeitsfelder, wie die Telemedizin, die zwar schon sehr weit gedacht sind, jedoch immer wieder an juristischen Hürden zu scheitern drohen. Und es gibt Bereiche, die erst am Anfang stehen, weil es aus zeitlichen Gründen auch nicht möglich war, alle unmittelbar zu bearbeiten.

Ein konkretes Beispiel sind die Einführung eines Dorf-Shuttle in Spiegelau mit der dazugehörigen digitalen Buchungsmöglichkeit oder das digitale Rathaus in Frauenau, das nicht nur nach innen digitalisiert werden soll, also in den Arbeitsprozessen, sondern auch ein digitales Informationssystem bereitstellen soll, das nach und nach die gemeindlichen Anschlagtafel verschwinden lässt.

Die beiden Kommunen erfinden "das Rad nicht neu", sondern versuchen aus dem Bereich der Digitalisierung alles herauszuholen, was den Menschen im ländlichen Raum das Leben einfacher macht. Der Prozess steht noch am Anfang, und wir wären froh darüber, wenn wir als "Digitale Dörfer" in eine "Verlängerung" von zwei Jahren gehen könnten, um die vielen guten Ideen aus den Arbeitskreisen und der Bevölkerung nach und nach umzusetzen.